Wurst- und Durstgeschichten #01 – Der Hape

Eigentlich will der Hanswurst nur kurz auf nen schnelles Bierchen und ne Currywurst zur Imbissbude ums Eck. Aber als er gerade den Wechsel von den Puschen zu den Straßenschuhen vollzieht, ruft der Hape an. Der schlägt genau das gleiche vor. Eigentlich hat der Hanswurst aber keine Lust auf Gesellschaft, schon gar nicht auf den Hape. Er will seine Currywurst alleine mümmeln. Und so schiebt er Corona vor – Abstand und Ansteckung und so.

Seine Cousine Berta hatte sich gerade letzte Woche erst testen lassen. So richtig. Nicht diese komischen Selbsttests, die es jetzt sogar beim Discounter gibt. Nee, so’n richtigen Test. PCR oder wie das Dingens heißt. Irgendwas mit Popel oder Rachen und so. Angeblich der Goldstandard unter den Testvarianten. Auf jeden Fall war bei der Berta der Test positiv. Erst hatte sich der Hanswurst gefreut, merkte dann aber recht schnell, dass in dem Fall ein negatives Ergebnis positiv war. Wie jetzt, ach egal.

Bisher dachte er immer, was der ganze Rummel, den die Medien da über dieses Virus veranstalten, denn soll. Wird schon nicht so schlimm sein, ne Grippe halt. Hatte er auch schon, soll man sich nicht so anstellen. Klar, die meisten Politiker sind Männer. Männergrippe kennt jeder. Aber jetzt hat es seine Cousine und mittlerweile liegt sie im Krankenhaus. In der Intensivstation. Hat wohl Schmerzen. Kriegt nicht so richtig Luft. Dabei ist die Berta gerade erst Anfang 50. Das gibt ihm zu denken.

Der Hape bleibt aber hartnäckig und lässt sich nicht abschütteln. Also gibt der Hanswurst nach, aber nur für ein Bierchen. Ist ja eh nicht erlaubt vorm Imbiss. Also – da stehen zu bleiben, um zu essen und zu trinken. Alles nur zum Mitnehmen.

Ein paar Minuten später steht er vor der Imbissbude und schaut die Straße rauf und runter. Genau genommen sind es zwei Straßen. Der Imbiss ist an einer Straßenecke. Den einzigen Menschen den er hier sieht, ist die Frau Gottschalk. Bei der hat er sich immer gefragt, ob die mit diesem Fernsehshowfuzi verwandt ist. Sie muss wohl irgendwann mal blond und lockig gewesen sein. Außerdem ziert ihr runzliges Gesicht eine große Hakennase. Und wenn sie den Mund aufmacht, plätschern die Worte nur so raus, meist unzusammenhängend und sinnfrei. Genau wie bei diesem Fernsehshowfuzi. Zu seinem Glück schiebt sie sich aber kommentarlos an ihm vorbei. Glück gehabt.

Und da kommt auch schon der Hape in Sicht. Wie lange kannte er jetzt schon diesen Stenz? Das muss 1986 gewesen sein, als er ihn zum ersten Mal traf. Damals als noch alles besser war. Da war sogar die Zukunft besser. Hm. Er war da gerade in der Lehre beim hiesigen Metzger. Das war ein beinhartes Handwerk. Sein Alter hatte ihm die Lehrstelle besorgt. Eigentlich wollte er was mit Kunst machen, aber das wollten seine Eltern nicht. Brotlos, war ihr Kommentar dazu. Und so lange er seine Füße unter ihren Tisch stellte…

Der Hape kam damals in die Metzgerei und begeisterte den Hanswurst sofort. Nicht durch das was er sagte. Er bestellte sich ein halbes Pfund von der geräucherten Leberwurst. Sondern vielmehr durch sein Auftreten oder seine Aura. Der Hape war da schon Anfang Zwanzig. Auf jeden Fall machte der also Eindruck auf den Hanswurst. Aber das ist eine andere Geschichte.

Der Hape kommt also die Straße runter. Geradewegs auf den Imbiss ums Eck zu. Als er den Hanswurst sieht reißt er die Arme in die Höhe und fuchtelt mit den Händen. Das kennt der Hanswurst schon. Der Hape macht das schon immer, zumindest so lang er ihn kennt. Ist so eine Marotte. Hat er sich angeblich von Louis de Funès abgeguckt. Den mochte damals jeder. Klar, Tubbs und Sonny – die Jungs von Maimi Vice – waren besser angezogen, aber den ultimativen Wort- und Slapstickwitz hatte nur der Franzose drauf.

Der Hanswurst ordert bei der netten Imbissfrau schon mal 2 Bratcurry mit Fritten und 2 Flaschen Bier – zum Mitnehmen natürlich. Ist doch Pandemie. Da klopft es von hinten auf seine Schulter. Beim Umdrehen kann er gerade so unter Hapes Umarmung hinwegtauchen und ihm dabei aus der Bewegung heraus einen kräftigen Tritt gegens Schienbein verpassen. Dieser lacht auf vor Schmerz, so dass seine Begrüßung untergeht. Als er sich auf Abstand wieder gefangen hat, gibt ihm der Hanswurst zur Versöhnung sein Bier samt Assischale und schüttelt den Kopf…

…Vom restlichen Abend weiß der Hanswurst nicht mehr viel. Irgendwann fiel ihm seine Zigarette in sein 6tes oder 7tes Bier. Da waren sie wohl mit irgendeiner Jaqueline oder Caroline noch am Rhein. Und dann schlief er ein.

Und jetzt? Weil das Entschuldigen derzeit wieder in Mode kommt – der Hanswurst entschuldigt sich. Wofür? Einfach für alles…

…wird sicherlich oder vielleicht fortgesetzt…

gelesen von Jaqueline (Audio Voice Recorder Pro)

4 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s