Wurst- und Durstgeschichten #05 – Der Joint

Der Hanswurst ist beim Hape. Und wie er gerade sein 3tes Bier aufmacht, fällt ihm ein, dass der Schorsch ihn doch gebeten hatte, dem Hape auszurichten, falls er ihn mal wieder sieht, ihm – also dem Schorsch – doch bald sein Handy wiederzugeben – also wenn er dran denkt und den Hape mal sieht. Den Hape sieht er gerade. Der flätzt bräsig in seinem Futon und ist damit beschäftigt einen Joint zu drehen. Total konzentriert sieht der aus. Er beißt dabei sogar auf seine rausgestreckte Zunge, so konzentriert ist der. Da will der Hanswurst jetzt auch nicht stören und trinkt sein Bier. Aktuell läßt sich das Leben am besten leicht blau aushalten. Die einen wollen alles dicht machen und fahren eine fragwürdige Kampagne, er interpretiert das eher persönlich. Und so zieht er #allesdichtmachen lieber #alledichtmachen vor. Das klappt bisher ganz gut.

Als der Hanswurst gedankenverloren registriert, dass sein Bier schon fast leer ist, wandert sein Blick auch wieder zu diesem Stenz, dem Hape, der immer noch damit beschäftigt ist seinen Joint zu rollen. Jetzt hat er es geschafft. Wurde auch Zeit. Eigentlich macht sich der Hanswurst nichts aus Dope. Aber wenn’s schon mal da ist. Ein Kostverächter ist er nicht. Das ist klar. Und so lässt er den Hape wissen, dass es nun auch langsam mal Zeit wurde. Der Hape findet, der Hanswurst solle ihm den Buckel runterrutschen und ihm dabei am besten gleich noch den Schuh aufblasen. Der Herr Künstler ist wenig kritikfähig. Er lässt ihn dann aber doch am Joint ziehen.

Nach dem dritten Zug am Joint fällt dem Hanswurst auf, wie schön farbenfroh die Bude vom Hape ist, muss sich aber auch ein wenig über den Hape wundern, dass hier überall Krams rumliegt. Fragt man den Hape, ist das alles Kunst. Würde man den Hanswurst fragen, könnte das alles weg. Aber das ist halt der Unterschied zwischen einem gelernten Metzger und einem ungelernten Möchtegernkünster. Der Standpunkt des Betrachters. Eigentlich wollte der Hanswurst auch mal was mit Kunst machen, die Popart hatte es ihm angetan, aber dann kam die Metzgerslehre und er verlor die Kunst aus den Augen.

Dann denkt der Hanswurst über den letzten Drogenkonsum beim Hape nach. Das war total daneben. Da haben sie Koks vom Brezel-Peter geschenkt bekommen. Sicherlich 5 Gramm – voll gut. Und dann haben sie sich eine Line nach der anderen reingeballert und sich und dem Brezel-Peter die ganze Zeit versichert, wie super und astrein das Zeug sei. Das haben sie so lange gemacht bis alles alle war. Dann hat der Brezel-Peter auf einmal kichernd einen halben Tetrapack Milch geext und unmittelbar darauf die ganze Bude vom Hape vollgekotzt – von unten bis oben, komplett. Voll asozial der Typ.

Plop.

Mist, das Bier ist alle. Das sagt zumindest der Hape gerade. Der Hanswurst war eben so schön in Gedanken. Aber das ist jetzt schon ein Notstand, findet auch der Hanswurst – zu recht. Und so schälen sich die beiden in ihre Schuhe und Jacken und verlassen leicht schwankend das Wohnatelier vom Hape mit dem Imbiss ums Eck als Ziel. Im Treppenhaus treffen sie die neue Nachbarin, eine junge Medizinstudentin, die den beiden auf engstem Raum versucht möglichst weitläufig auszuweichen. Liegt vermutlich an COVID-19. Vielleicht auch den Fahnen und am windschiefen Gang vom Hanswurst und vom Hape oder auch einfach daran, dass sie Männer sind. Und auch noch zwei. Der Hape zwinkert ihr im Vorbeigehen zu und drapiert dabei seinen roten Strickschal.

Der Schorsch freut sich sehr über seine beiden Stammkunden. Vor allem darüber, dass sie einen Mordsappetit mitbringen. Die einzig wirkliche und wahre Droge für den Hanswurst ist und bleibt eben die Currywurst…

gelesen von Jaqueline (Audio Voice Recorder Pro)

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