Wurst- und Durstgeschichten #07 – Der Zoobesuch

Der Hape bequatscht den Hanswurst so lang bis er verspricht mit in den Zoo zu kommen. Der Hape will Tiere sehen, also so richtige. Nicht die Tauben und Hunde, die es in der Stadt zu Hauf gibt. Die machen auch nur Dreck. Überall sind Hundehaufen und Taubenschiß zu sehen.

Neulich hat der Hape so eine junge Frau so richtig zusammengefaltet, also so verbal. Ist der Hanswurst glatt von wach geworden. Dabei hat er festgestellt, dass er unter der Parkbank liegt. Der Hape, auf der Bank sitzend, schreit die Tussi nonchaland an, sie solle doch ihre Töle nicht einfach so hierher koten lassen. Er würde ihr ja auch nicht auf den Wohnzimmertisch kacken. Das fand die junge Frau gar nicht so toll und meinte außerdem, Wohnzimmertische seien so was von uncool. Da meinte der Hape, dass sie sich nicht so den Schuh aufblasen und zu Luft werden solle. Dann fand er seine Bierflasche und ertränkte seine schlechte Laune mit schalem Bier.

Zum Zoo kann man nicht laufen. Ist zu weit. Und ein Bus fährt auch nicht hin. Also nicht von hier. Von woanders bestimmt. Einen Zoo ohne Bushaltestelle gibt’s nicht. Also bestimmt nicht. Oder ungefähr, so ziemlich wahrscheinlich doch. Der Hape erinnert sich an die Jaqueline, die hat doch sicher ein Auto. Vielleicht. Genau. Der Hanswurst soll die mal anrufen, weil der Hape hat doch kein so neumodischen Firlefanz, so ein Handy halt. Erst weiß die Jaqueline gar nicht wer dran ist. Der Hape erklärt es dem Hanswurst und der erklärt’s der Jaqueline. Stille Post quasi. Langsam erinnert sich die Jaqueline. Und die Idee mit dem Zoo findet sie mega.

Auf dem Parkplatz vom Zoo finden Sie keinen freien Parkplatz. Als die Jaqueline die dritte Runde dreht, greift der Hape ins Lenkrad. Die Jaqueline nimmt einem Mercedes die Vorfahrt und schnappt einem blinkenden und wartenden SUV den Parkplatz weg. Dem hupenden SUV-Fahrer zeigt der Hape den Stinkefinger und sein gewinnbringendes Lächeln.

An der Kasse stellt sich heraus, dass die drei keine Zeitfenstertickets haben. Ebenso wenig einen Corona-Schnelltest. Der Hanswurst findet das doof und hält dem Hape vor, wie man nur so dumm sein könne. Das hätte man doch ahnen müssen. Und überhaupt, wollte doch der Hape hierher. Wenns nach dem Hanswurst gegangen wäre, würde er jetzt gemütlich zu Hause sitzen oder beim Schorsch rumlungern und auf ne Currywurst warten. Aber nein, der Herr Hape wollte ja unbedingt Tiere gucken.

Nachdem der Hanswurst endlich mit dem Schimpfen fertig ist, zieht der Hape die Jaqueline und Hanswurst zu einer Stelle an der Zoomauer. Er meint, hier käme kaum einer vorbei und schlecht einsehbar sei die Ecke auch. Mit einer Feuerleiter und ein bisschen gegenseitiger Kletterhilfesolidarität kämen sie schon irgendwie in den Zoo rein. Auf der anderen Seite der Mauer fallen sie nun ins Gehege – zum Glück in das der Rehe und Damhirsche. Zumindest sehen die so aus. Der Hanswurst ist sehr froh, dass sie nicht bei den Löwen oder Gorillas gelandet sind. Hyänen oder Nashörner wären auch eher unschön gewesen. Der Hape hat den Ausgang schon gefunden und als sie endlich mit Mundschutzmaske auf dem Besucherweg stehen kommen zwei halbstarke Baseballkappenträger. Der Hanswurst will denen schon etwas ausweichendes entgegenschmeißen, da rotzt der eine bereits ein „Saugeil ihr alten Säcke. Respekt Digger! Das machen wir ab jetzt auch immer so.“ Der Hape fühlt sich in seinem anarchistischgeprägten Künstlerwelt- und Selbtbild bestätigt und geschmeichelt. Erziehungauftrag für heute erledigt. Strike! Aprospos Baseballkappe.

Nach den (Gir)Affen, den Erdmännchen, Eisbären, Gnus, Papageien, Zebras, Flamingos und Königspinguinen finden die drei den Zooimbiss. Der hat auf und verkauft auch Bier. Der Hape schmeisst die erste Runde. Nach dem 3ten Bier will die Jaqueline mal aufs Klo. Nach dem 5ten Bier fragt der Hanswurst den Hape, wo dennn die Jaqueline sei. Und beim 6ten Bier merkt der Hanswurst, dass er Hunger hat. Zum Glück gibt’s hier Currywurst mit Fritten. Der Imbissmann meint, er hätte die Fritteuse und den Grill schon abgeschaltet und geputzt eigentlich auch schon. Der Zoo schließe in 10 Minuten. Alles was er noch anbieten könne, wären Chicken Nuggets, die er in der Mikrowelle nochmal aufwärmen könnte. Der Hanswurst könnte kotzen, nimmt das Angebot aber an. Zur Not frisst der Hanswurst halt uch Penicillin-Hühnchen, was soll’s.

Die Jaqueline ist weg. Ihr Auto auch. An ihr Handy geht sie nicht. Der Parkplatz wird zusehends leerer. Dann ist er ganz leer. Nur der Hape und der Hanswurst sitzen hier am Rinnstein und starrren auf den geschlossenen Zoohaupteingang. Jetzt bleibt ihnen nur noch eins. Sie müssen die Bushaltestelle finden. Denn wie war das? Einen Zoo ohne Bushaltestelle gibt’s nicht. Also bestimmt nicht. Oder ungefähr, so ziemlich wahrscheinlich doch…

gelesen von Jaqueline (Audio Voice Recorder Pro)

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