Wurst- und Durstgeschichten #10 – Eine ganz normale Woche

Der Hanswurst hat wieder einmal eine anstrengende Woche hinter sich gebracht. Montags musste er Tante Frieda helfen. Sie brauchte Beratung. Beratung sich beim Kauf eines Computers nicht übers Ohr hauen zu lassen. Am Ende schaffte es der Hanswurst sie über den Tisch zu ziehen. Er mag seine Tante nicht besonders. Sie kommt immer dann angeschissen, wenn sie etwas von ihm braucht. Egal. Er ruft sie ja auch nie an. Der Schorsch besorgte ihm so einen Laptop. Oder heißen die Notebooks? Warum nicht Lapbook, Notetop oder tragbarer Aktentaschencomputer. Er weiß eh nicht warum und wofür man die brauchen sollte. Das sind doch nur Zeitfresser. Egal. Der Schorsch kennt wen, der wen kennt, der weiß, dass ein Bekannter zufälligerweise gerade mehrere fabrikfrische Geräte loswerden wollte. Natürlich zum Sonderpreis. Der Hanswurst hat dann einfach den regulären Verkaufspreis vom Schorsch recherchieren lassen. Der hat doch ein Smartphone und Internet. Die Differenz hat der Hanswurst dann einfach behalten. Passt schon, dachte er sich…

Am Dienstag ist er noch mit dem Hape um die Häuser gezogen. Geht ja wieder. Eigentlich wollten sie einen gemütlichen Tag im Biergarten verbringen. Dann haben sie aber beim 5ten Bier den Brezel-Peter getroffen. Der wußte von ner Privatfeier von so ner heißen Mieze. Corona hin oder her, das war jetzt auch egal. Allerdings müssten sie dazu ans andere Ende der Stadt und der Brezel-Peter hätte kein Geld fürs Taxi. Der Hape und der Hanswurst leider auch nicht. Der Bus oder die Tram fuhren auch nicht mehr. Und so sind sie dann einfach sitzen geblieben und haben noch eine Runde getrunken und gemeint, dass die heiße Mieze sicherlich gar nicht so heiß sei, wie der Brezel-Peter gemeint hat. Das fand der Brezel-Peter dann auch…

Und am Mittwoch musste der Hanswurst im Getränkemarkt aushelfen. Das macht er manchmal, wenn sein Kumpel der Getränke-Manni anruft. Immer dann wenn die Aushilfen kurzfristig ausfallen. Das sind in der Regel Studenten, die erst morgens merken, dass sie ihre Grenzen nicht kennen. Die Jugend halt. Er sollte im Lager helfen. Eine Sattelschlepperladung von so’nem Bierkonsortium müsste entladen und kommisioniert werden. Zum Glück kann der Hanswurst mit nem Gabelstapler umgehen. Das hat ihm der Getränke-Manni mal gezeigt. Aber erstmal mit den Jungs vonne Leergutannahme ein paar Bierchen zischen. Ist Pflicht. Logo. Und Bier gibt’s hier ja reichlich. Danach ist ihm dann eine Palette, randvoll mit Bierkisten beladen, vom Stapler gerutscht. Dem Hanswurst taten die vielen zerbrochenen Flaschen Leid. Der Getränke-Manni hatte eine Scheiß-Wut und begann damit dem Hanswurst den Schuh aufzupumpen. Der Hanswurst meinte, dass das doch jedem mal passieren könne, raffte sich noch ein paar heil gebliebe Flaschen zusammen und zog ab. Zum Glück wurde niemand verletzt…

Am Donnerstag rief sein Vater an. Auf den hatte der Hanswurst keine Lust. Eigentlich beruht das auf Gegenseitigkeit. Nach dem 5ten Anrufversuch ging er dann doch dran. Sein Vater wollte ihn nur daran erinnern, dass die Mutter bald Geburtstag hätte und sich über ein Lebenszeichen von ihrem Sohn freuen würde. Aha. Mal sehen. Wie alt sie wohl werden würde? 83, 84? Ihm war’s eigentlich egal. Vielleicht würde er daran denken. Aber dann musste er auflegen. Da er noch verabredet sei, beim Schorsch mit ner Mantaschale…

Freitag ist ja eigentlich schon Wochenende. Hanswurst brauchte aber noch ein Geschenk für seinen Neffen. Der wird 4 Jahre alt. Hanswurst kann mit so kleinen Menschen eigentlich wenig bis nichts anfangen. Seine Schwester wäre aber sicherlich ziemlich enttäuscht, wenn er nicht zumindest kurz vorbei schauen würde. Vom Hape hat er neulich erfahren, dass die Kinder von heute auf so Plastikspielzeug stehen, Hunde in Autos und so. Er stratzte also zum Spielzeugladen. Da gibt’s Hunde in Autos. Der Quatsch nennt sich Paw Patrol oder so. Mist ist das. Der Junge wird 4 und ist kein Baby mehr. Also muss auch ein echtes Jungsgeschenk her. Scheiß auf das was seine Schwester immer über geschlechterneutrale Erziehung faselt. Hunde in Autos? Echt jetzt?

Samstag. Normalerweise heißt das ausschlafen und dann beim Schorsch ne Currywurst frühstücken. Und dann weiter sehen. Heute war aber der Geburtstag seines Neffen. Darum musste er dort vorbei und sein Geschenk abgeben. Als das tat war Hanswurst’s Schwester dann zwar nicht enttäuscht, eher etwas erzürnt. Im Gegensatz zum Kleinen. Der freute sich wie Bolle und rannte mit seiner neuen maßstabsgetreuen Halbautomatikspielzeugpistole laut knallend durch die Wohnung. Hanswurst hatte sowieso nicht vor lange zu bleiben…

Sonntags ging der Hanswurst mit dem Schorsch ins Freibad. Der Sonntag ist ja der freie Tag vom Schorsch und der Imbiss ums Eck bleibt dann immer zu. Zum Glück hat sich der Schorsch um die digitalen Eintrittskarten gekümmert. Ist ja immer noch Corona. Der Hanswurst hätte das gar nicht hinbekommen. Er erinnerte sich dabei unweigerlich an seinen letzten Zoobesuch mit dem Hape. Im Schwimmbad stellten die beiden fest, dass es keine Currywurst und keine Fritten gab. Nur Bockwurst. Null Bock auf Bockwurst. Zumindest gab es Bier in Plastikbechern…

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