Wurst- und Durstgeschichten #12 – Gute Freunde

Der Hanswurst steckt in einer Krise. Zumindest findet das der Hape. Der Hape macht das daran fest, dass er den Hanswurst nur mehr gereizt und schlecht gelaunt erlebt und dieser zudem wenig Freude und Lust auf irgendetwas zu verspüren scheint. Nicht mal darauf mit ihm, also dem Hape, am Imbiss ums Eck beim Schorsch abzuhängen oder soweit das möglich ist, wie in den guten Tagen, durch die Kneipen zu ziehen. Dem Hape kommt es ewig vor, dass sie zusammen einen riesen Scheiss angestellt haben oder sie mal wieder morgens im Park aufgewacht sind, ohne zu wissen wie sie da gelandet sind. Der Hanswurst muss mal wieder leben. Und so beschließt der Hape, gemeinsam mit dem Schorsch, etwas zu unternehmen. Der Hanswurst braucht Abwechslung. Luftveränderung. Genau. Das ist es. Der Hanswurst muss mal raus. Den Kopf frei bekommen. Muss mal was anderes sehen. Andere Leute – andere Landschaft. Muss mal Ruhe haben. Und der Hape und der Schorsch werden den Hanswurst dabei unterstützen. Sie organisieren ihm einen Urlaub. Geniale Idee. Und das beste? Sie kommen einfach mit. Der Schorsch wollte seinen Imbiss ums Eck über den Sommer eh für ein bis zwei Wochen zumachen und der Hape hat, wenn überhaupt, seine nächste Dada-Ausstellung nicht vorm nächsten Herbst. Wozu hat man denn gute Freunde?

Der Hape ruft den Hanswurst an, der tatsächlich an seinen Fernsprechapparat geht. Die ganze Welt nutzt heutzutage zwar schon Handys, so wie die Cellphones in good old Germany genannt werden, der Hanswurst aber nicht. Er hat tatsächlich noch ein altes Handy von Nokia, das sicher auch schon 20 Jahre auf’m Buckel hat, bei dem ist der Akku aber meistens leer, sodass es wahrscheinlicher ist den Hanswurst über seinen Fernsprechapparat zu erreichen. Der Hanswurst ist regelrecht stolz darauf solch ein Meisterwerk der Telekommunikationspionierarbeit sein eigen nennen zu dürfen. Das Teil stammt aus dem Nachlass seines Großvaters, der den Apparat von seinem Vater geerbt hatte. Aber egal – der Hanswurst liebt seinen Fernsprechapparat. Der Hape muss dem Hanswurst ganz was Dringendes erzählen, aber nicht am Telefonapparat. Lieber beim Schorsch. Und – ja – es hat natürlich auch bis morgen Zeit. Na klar. Dann ist’s ok. Also mittags auf ne Currywurst. Warum auch nicht.

Am nächsten Tag treffen sich die drei „zufällig“ am Imbiss ums Eck. Der Hanswurst haut den Hape mürrisch an, endlich auszuspucken, was es so dringend an Neuigkeiten zu erzählen gibt. Der Schorsch schiebt dem Hanswurst ein Bierchen rüber und der Hape grinst schief. Dann eröffnet der Schorsch, dass sie der Ansicht seien, der Hanswurst könne ganz gut eine Luftveränderung vertragen. Der Hanswurst schaut erst drein wie ein Postauto, aber dann beginnt sich langsam eine Regung in seiner Mimik abzuzeichnen. Der Schorsch deutet es vorsichtig als den Anflug eines Grinsen.

Der Hanswurst verarbeitet die Information, die er gerade erhalten hat. Nach einem Schluck Bier kann er sich besser konzentrieren. Luftveränderung? Was meint der Schorsch damit? Luftveränderung = Urlaub? Meint der etwa sowas? Italien. Genau. Italien. Ja, da wollte der Hanswurst schon so lange mal wieder hin. Er erinnert sich an seinen Urlaub damals. Mit seinen Eltern in Italien. Die Menschen dort. So entspannt. Und die jungen Dinger erst! So schön anzuschauen. Er denkt auch an ein Lied, das er immer gerne gehört hat, in dem es um alte Männer aus „diesen südlicheren Ländern“ geht, die auf Bänken sitzend den jungen Frauen nachsehen oder -trauern und dabei wünschten, dass sie noch mal 20 wären. Italien – ja. Das wärs jetzt.

Die Nordsee – meint jetzt der Hape. Wind. Sonne. Strand. Wellen. Der endlose Horizont. Er hat da was klar gemacht. Ein Bekannter besitzt ein Ferienhäuschen auf ner Insel. Dieses Häuschen ist die nächste Woche noch frei. Das wäre es doch. Der Hanswurst macht eine Kur auf einer Nordseeinsel.

Der Hanswurst freut sich. Italien. Da wirft der Hape die Nordsee in den Raum. Soweit der Hanswurst weiß, wird Italien ziemlich genau vom Mittelmeer umspült, nicht von der Nordsee. Nee. Definitiv nicht. Da ist er sich jetzt doch mal sicher. Irren ausgeschlossen. Hundert pro. Was spricht also für einen Urlaub an der Nordsee? Der Hanswurst denkt angestrengt nach. Ein Ferienhäuschen? Das klingt eigentlich gut – muss er sich um nichts mehr kümmern. Spitze. Und dann ist da noch der Klimawandel. Genau. Dank dem sind die hiesigen Temperaturen eh so wie in Italien. Zumindest wie vor zwanzig Jahren in Italien. OK. Aber die jungen Frauen? Gibt’s vielleicht an der Nordsee auch…

Der Hanswurst nimmt das Ferienhäuschen. Gebongt. Wie ein Sparbrötchen schaut er dann aber doch drein, als der Hape und der Schorsch erzählen, dass sie auch mitkämen – gute Freunde und so. Darauf verlangt der Hanswurst einen doppelten Doppelkorn (also einen Vierfachen???) sowie ein weiteres Bier zum Runterspülen. Mit diesen Aushilfsluftpumpen eine ganze Woche Urlaub? Wenn man die zwei als Freunde hat, braucht man keine Feinde mehr. Nach dem doppelten Doppelkorn wird der Hanswurst ein wenig wehmütig und denkt sich, dass sich die beiden doch tatsächlich Gedanken und möglicherweise sogar Sorgen um ihn machten. Und so denkt sich der Hanswurst, dass er mit dem Schorsch und dem Hape vielleicht wirklich zwei gute Freunde hat…

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