Wurst- und Durstgeschichten #16 – Die Wespe

Heute ist der Hanswurst mal draußen. Unterwegs im Viertel. Die Sonne hat ihn rausgelockt. Es ist warm und trocken. Der Frühling hat sich endlich gegen diesen, gefühlt nie enden wollenden, Mistwinter durchsetzen können. Einen Winter mit Maskenpflicht, Zweit- und Drittimpfungen und dem Erstarken dieser Querdulliszene. Das hat der Hanswurst nicht ganz verstehen können, wieso diese Menschen nicht nur zu allem und jedem eine Meinung haben, sondern zudem auch noch der tiefsten Überzeugung sind, alles besser und insbesondere selbst zu können – selbstverständlich natürlich auch Immunologie und pandemisches Staatslenkertum. Das erschreckendste ist aber wohl die ebenfalls festzustellende Affinität zu Verschwörungstheorien bei diesen Querdullis.

Ach was soll’s. Diese Dollbohrer können den Hanswurst mal kreuzweise. Jetzt geht es um den guten Geschmack. Und den findet er ganz sicher beim Schorsch. Also beim Imbiss ums Eck. Nirgends gibt’s eine bessere Currywurst als beim Schorsch. Der freut sich dann auch seinen Hanswurst wieder zu sehen und nach einem kurzen Plausch über dies und das und Ananas kaut der Hanswurst genussvoll an seinem Schichtpimmel mit Fritten.

Hm, heute bewegt den Schorsch anscheinend der Fußball. Er findet es traurig und ungerecht, dass sein St. Pauli nicht in die Bundesliga aufgestiegen ist. Der Hanswurst findet das nur konsequent. Wenn es einen Verein gibt, dessen Fans von sich behaupten, konsumkritisch, links und gegen das Schweinesystem zu sein, dann die von St. Pauli. Also. Was will der Verein dann in der ersten Liga? Wäre das nicht Verrat an den eigenen Werten? Die Fans frönen einem besonderen Image des ewigen Underdogs, die hausgemacht immer im moralischen Vorteil gegenüber den Kapitalismusclubs sind. Der Hanswurst findet, dass der Verein und insbesondere seine Freizeit- oder Hedonismuspunkfankultur dort definitiv nix zu suchen hat und haben. Aber vielleicht eben doch, um den berühmten Spiegel vorgehalten zu bekommen. Aber das ist natürlich Hanswurst’s Meinung. Der Schorsch ist da natürlich anders drauf.

Aber hey, was ist das. Da kommt eine Wespe und isst seine Wurst. Erstens. Es ist Frühling und nicht Herbst – also soll sich das Mistding schleichen, beziehungsweise verfliegen. Zweitens. Wieso schafft es so eine Kackwespe, eine ganze Currywurstscheibe aus der Asischale zu klauen. Ein ganzes Wurststück! Verrückt! Das geht doch nicht. Ist das Herkules der Wespen oder gar Chuck Norris, die Megakaratewespe mit besonderen Currywurstskills. Der Hanswurst kriegt den Mund nicht mehr zu. So sehr steht er staunend vor seiner Currywurst und beobachtet diesen infamen und dreisten Mundraub.

Vielleicht haben diese Querdullis doch nicht so Unrecht mit ihren Schwurbeleien denkt sich der Hanswurst. Was wäre wenn es sich bei der Wespe um ein kleines Zahnrädchen einer groß angelegten Verschwörung handeln würde. Eine Verschwörung von epischen Ausmaßen. Wespen werden gezüchtet, um bereits im Frühling auf Raubzüge zu gehen und nicht erst im Herbst, wenn sie eh kurz vorm Gnadentuch stehen. Der Hanswurst beginnt vor Aufregung zu schwitzen. So sehr beschäftigt ihn nun dieser Gedanke. Aber wer hätte denn was davon. Diese Frage muss doch immer zuerst gestellt werden. Das Motiv finden. Sagen wir, wir – also die Menschheit – ist nicht allein im Äther. Äther – das klingt gut. Das klingt irgendwie gewaltig, findet der Hanswurst. Da gibt es laut NASA noch viele Milliarden weitere Planeten, ca. 250 Milliarden. Nur in unserer Galaxis. Und Galaxien gibt’s dann noch mal einige, so ca. 50 Milliarden. 250 Milliarden mal 50 Milliarden. Jetzt wird dem Hanswurst schon ein wenig schwindelig. Ein hitziger Schwindel sozusagen. Das Ergebnis kann er sich gar nicht vorstellen.

Aber zurück zur Verschwörungstheorie. Irgendwo da draußen im All gibt es irgendwelche Aliens, die ein Interesse an der Erde haben. Und selbstverständlich kommen die nicht mit Raumschiffflotten mit dem Ziel einer groß angelegten planetaren Invasion, sondern eher so subtil. Mit perfiden Plänen. Inflitration der Machteliten und besitzenden Minderheit, was im Grunde aufs gleiche rauskommt. Und dann werden Gesetze und Seuchen – natürlich zu Ungunsten der armen und bereits eh benachteiligten und dabei stets unverstandenen Bevölkerungsschichten, verabschiedet und in Umlauf gebracht. Ist doch logisch findet der Hanswurst. Und selbstverständlich sind Trump, Merkel, Scholz und freilich auch der Putin ausgetauscht worden gegen solche Aliens. Vermutlich Reptiloiden. Da soll es ja angeblich auch bereits schon Beweise geben.

Da auf einmal. Der Schorsch. Hanswurst’s Gedankengang wird jäh unterbrochen. Ob der Hanswurst noch ein Bierchen will. Ja klar doch. Gut so. Wo ist der Hanswurst da gerade mit seiner Gedankenspinnerei stehen geblieben? Hm. Keine Ahnung. Das Bier schmeckt wirklich gut…

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